ARGEKultur Salzburg 2023

„ALLES BLEIBT ANDERS“

Sebastian Linz Künstlerische Geschäftsführung, Martina Fladerer, Dramaturgie
Foto: © Christa Linossi

Was will man mit dieser ÜBERSCHRIFT aussagen?

„Alles bleibt anders“? Man könnte sagen, alles bleibt, wie es ist oder doch nicht? Alles bleibt, aber ist doch anders? Ich würde mich dem letzteren anschließen.

Die ARGEKultur setzt weder auf Bewährtes und Bekanntes, sondern geht den Weg der Öffnung konsequent weiter. Sie lassen die Grenzen zwischen Kunst, Kultur und Gesellschaft, zwischen Künstler*innen und Publikum, zwischen analoger und digitaler Welt verschwimmen.

ARGEkultur_Digitales Foyer_10 © ARGEkultur

2022 war es das OPEN MIND Festival, es war das größte Projekt im Jahresprogramm und dieses wird nun aufgelöst. Dafür wird ein OPEN MIND FREQUENTLY installiert, welches ein flexibles Format sein soll, dass auf Themen schneller reagiert, die in Stadt und Land von Relevanz sind und verdichten damit das Jahresprogramm und knüpfen Fäden in verschiedene Bereiche der (Stadt-) Gesellschaft.

Mit diesem flexiblen Programm will die ARGEKultur bezwecken, dass Salzburger*innen selbst zu Produzenten*innen, Protagaonist*innen werden und bespielt es mit digitalen und hybriden Projekten wie ONE UPON R GROUNDS von „gold extra“, die PHILOSOPHIERMASCHINE von „Interrobang“ und der Tanzperformance REALITY WARPING von „Jasmin Ellis“. Auf das eine oder andere digitale Thema gehe ich noch näher ein.  

ONCE UPON UNSTEADY GROUNDS_Key Visual Foto: © gold extra

Man darf gespannt sein, ob es wieder ein radikales performatives Experiment wird, wie DREI TAGE WACHE des Salzburger ‚Theater der Mitte‘ oder die internationale Koproduktion wie PLEASURE mit der finnischen Performancegruppe Oblivia – wo mittlerweile bereits eine dritte Zusammenarbeit zustande kommt – ob Musik, Kabarett, Text oder Diskurs. So auch das Motto: ALLES BLEIBT ANDERS.

Ich habe mir aus dem neuen Programm die PHILOSOPHIERMASCHINE herausgepickt.

Projekt: DIE PHILOSOPHIERMASCHINE_Interrobang_Performance Foto: © Paula Reissig

Worum geht es hier? Die PHILOSOPHIERMASCHINE ist ein Projekt des in Berlin und Salzburg ansässigen Medienkunst- und Performancekollektivs INTERROBANG (Nina Tecklenburg, Till Müller-Klug, Lajos Talamonti) ist eine Künstliche Intelligenz, die tote Denker*innen zu neuem Leben erweckt. Per Kopfhörer und Knopfdruck kann das Publikum mit Hannah Arendt*, Karl Jaspers*, Ernst Bloch* und anderer Philosoph*innen der ‚Frankfurter Schule‘ in einen lebendigen Dialog treten und ihre zentralen Themen für die Gegenwart neu verhandeln: Freiheit, Dissidenz, Anderssein, Zensur, gesellschaftliche Utopie, Hoffnung – im europäischen 20. Jahrhundert waren diese Begriffe Nachkriegsphilosophie.

INTERROBANGS algorithmische O-Ton-Montage ermöglicht es dem Publikum, mit den verstorbenen Persönlichkeiten* jeweils individuelle ‚Gespräche‘ zu führen. Die Algorithmen sind dabei bewusst so gestaltet, dass ein Dialog zu aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen möglich wird. Aus der philosophischen Arbeit am Begriff entwickelt sich ein spielerisches Panorama von kollektiven und öffentlichen Denk- und Handlungsräumen.

Für die Salzburger Vorstellungen der PHILOSOPHIERMASCHINE wird das bestehende analoge Projekt für den digitalen Raum adaptiert und in das Digitale Foyer der ARGEkultur integriert.

Stattfinden wird dieses Projekt im April 2023 und man darf gespannt sein, wie sich Mensch und Maschine miteinander über philosophische Fragen auseinandersetzen.

Projekt DREI TAGE WACH Foto: © Remo Rauscher

Ein weiteres Projekt auch spannend klingt, ist das, im Februar bereits stattfindende Projekt OPEN MIND FREQUENTLY: DREI TAGE WACH Während sich das Theater der Mitte in DREI TAGE WACH dem Theaterkomplex aus Leistung, Überwachung und Erschöpfung geradezu körperlich aussetzt und dabei an Grenzen geht, legen wir uns erstmal hin. Im Saal wartet eine Landschaft aus Matratzen – ein Ort der Ruhe, der seine Besucher*innen aber nicht in Ruhe lässt.

Wovon sprechen wir, wenn wir von Leistung sprechen? Warum ist Leistung so wichtig in der Gesellschaft? Hängen Kapitalismus und Prekariat mit Leistung zusammen?

In entspannter Atmosphäre befragen, vertrieben und kommentieren wir die Performance mit Studio mit Lektüre, Diskurs, Film und Musik. Ein Kommen und Gehen sind jederzeit möglich, ein Besuch im Studio bei dem Performer*innen natürlich erwünscht.

ALLES BLEIBT ANDERS. Verspricht genauso spannend zu werden, wie im Vorjahr das OPEN MIND Festival.

Hier geht es zum Programm 2023 der ARGEkultur: https://www.argekultur.at/