Marion Kalter – Deep Time

 RUPERTIUM Salzburg bis 22. Mai 2022

Die Fotografien von Marion Kalter (1951 Salzburg) handeln stets von Menschen – für sie hat sich die Künstlerin bereits als junge Journalistin interessiert.

Künstlerin/Fotografin Marion Kalter DEEP TIME / Foto: © Christa Linossi

Wer ist die Künstlerin Marion Kalter? Geboren wurde sie 1951 in Salzburg, ihre Eltern lernten sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Salzburg kennen, heirateten und gingen nach der Geburt von Marion Kalter in die USA. Die Familie kehrte jedoch nach Europa zurück. Kalter wuchs in den USA und Frankreich auf. Sie studierte Malerei und Kunstgeschichte am Mount Holyoke College, Massachusetts USA und danach in Paris an der Université der Paris VII. Sie arbeitete als Journalistin. Marion Kalter lebt und arbeitet in Paris und Chabenet Frankreich.

Die Ausstellung DEEP TIME ist auch eine Spurensuche in Kalters Kindheit und der Versuch der Fotografin, ihre Herkunft und Familiengeschichte besser zu verstehen und visuell nachzuvollziehen. Nach dem Tod ihrer Eltern befreite sie historische Aufnahmen, Bilder und Gegenständen, die sie aus dem Koffer nahm und somit eine Zeitreise dokumentierte. Eine Ausstellung, die eine Familiengeschichte versucht anschaulich zu machen? Eine Öffnung in einen persönlichen Bereich? Ende der 1970er-Jahre inszenierte Kalter eine Serie von Selbstporträts die von der melancholischen Sehnsucht geprägt sind, sich den Ort, die verstrichene Zeit und die Lebensgeschichte der verstorbenen Mutter über ihren Nachlass und die Poetik der Dinge wieder anzueignen. In diese Zeit fielen auch erste Aufträge für die Zeitschrift Le Monde de la musique, die Marion Kalter bald regelmäßig in ihre Geburtsstadt führten und sie zu einer gefragten Chronistin der Salzburger Festspiele wurde.

Ausstellung Rupertinum DEEP TIME / Aufnahme :Marion Kalter : Claudio Magru, Schriftsteller im Café San Marco,

Ein Großteil ihres persönlichen Schaffens konzentrierte sie sich auf die Erstellung von Selbstporträts. Jedoch trugen auch Aufnahmen von Porträts berühmter Künstler, Musiker und Philosophen zu ihrer Karriere bei.

Sehr entscheidend für ihre Karriere als Fotografin war auch die Begegnung mit dem Künstler, Musiker und Performer Ted Joans, der zu den zentralen Persönlichkeiten der amerikanischen Beat-Generation um Jack Kerouac und Allen Ginsberg gehörte. Joans lernte Kalter 1974 in Paris kennen und so entstand eine enge Freundschaft. Kalter begleitete den charismatischen Jazzpoeten mit ihrer Kamera in Paris ins Amerikanische Kulturzentrum, In Galerien und zu Lesungen, sowie auf Reisen nach Nordafrika.

James Baldwin, Ted Joans, Paris 1976, Silbergelatineabzug, Courtesy of the artist, © Bildrecht, Wien, 2022

Kalter praktizierte zwei Genres: das Porträt und das Selbstporträt, das Dokumentarische und die fiktive Autobiografie. Es sind Selbstporträts mit Ahnenforschung und Rekonstruktion zugleich. Es ist eine Biografie mit einer persönlichen Mythologie, die in bildlicher Form dargestellt wird.

Sie sah die Fotografie auch nicht mehr als Medium der Aufzeichnung, sondern zunehmend auch als bildschöpferisches Ausdrucksmittel der Interpretation, der Inszenierung und er persönlichen Erinnerung.

Arles, 1975, Silbergelatineabzug, Courtesy of the artist, © Bildrecht, WIen, 2022

Die Ausstellung verbreitet auch einen Hauch von Freiheit der 70er Jahre, sie auf alle Fälle sehenswert.

Publikation zur Ausstellung: Marion Kalter DEEP TIME, Hg. von Thorsten Sadowsky ISBN: 978-3-96070-066-1

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