Jedermann.Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Das Jedermann-Ensemble 2021 zusammen mit Schauspiel-Leiterin Bettina Hering. Foto: SF/Anne Zeuner

Beim ersten Presse-Terrassen Talks wurden die neuen Darsteller der Hauptrolle des Jedermann Lars Eidinger und die Buhlschaft Verena Altenberger vorgestellt. Es ist eine Neuinszenierung und spielt sich in etwa eine nicht genau beschreibbare Zukunft ab.

Verena Altenberger und Lars Eidinger. Fotos: SF/Anne Zeuner

2017 inszenierte Michael Sturminger zum ersten Mal den Jedermann am Domplatz. War seine Regie am Anfang stark auf das Hier und Jetzt bezogen, so verlegt er sie in diesem Jahr in eine nicht genau beschreibbare Zukunft mit Referenzen zur Vergangenheit. Aus der Wiederaufnahme, so sagt Bettina Hering, sei nun eine Neuinszenierung geworden. Die Idee, beim Jedermann etwas abzuschließen, sei für den Regisseur irrelevant. Man müsse das Stück frisch halten, auf Neubesetzungen eingehen, es sei ein permanenter Work in Progress. Die Bühne widerspiegelt diesen Gedanken und zugleich erinnere der Holzaufbau an die erste Bühne von Max Reinhard.

Lars Eidinger der in diesem Sommer den Domplatz als Jedermann betritt, sieht sich nicht als der sterbende reiche Mann des Untertitels, er tritt auf als Sinnbild der heutigen Gesellschaft. „Ich bin der privilegierte, toxische Mann und stelle mich selbst in Frage“, so der Schauspieler. Das Stück stehe einem Shakespeare in nichts nach und werde oft falsch verstanden. „Zu Unrecht!“ sagt Lars Eidinger. Sein Leben lang habe er es sich erträumt einmal den Jedermann zu spielen. Seit über drei Wochen laufen bereits die Proben. Das Ensemble erlebte am Vorabend des Terrassen Talks die erste Probe am Domplatz und Lars Eidinger fühle sich, dermaßen privilegiert und glücklich.

Verena Altenberger die heuer die Buhlschaft zu ihrem besten geben wird, meinte auf das Stichwort „Haare“? Es nerve sie nicht, sagt Verena Altenberger. Vor Kurzem hat sie sich für die Rolle einer Krebskranken eine Glatze rasiert. „Ich mag die Debatte“, sagt sie. „Denn es ist einfach völlig egal, wie die Haare der Darstellerin der Buhlschaft aussieht“. Die Buhlschaft habe sie nie als Klischee-Frau empfunden, das Emanzipatorische sei der Rolle eingeschrieben. Ihr erster Instinkt sei gewesen, das Leid dieser Frau darstellen zu wollen, die Abhängigkeit vom Jedermann zu zeigen und sie aus den Fesseln zu befreien. Etwa ab dem vierten Tag der Proben habe sich dieses Bild allerdings gewandelt. „Das war eine unnötige Suche, denn die beiden sind ein gleichberechtigtes Paar im Moment, in dem sie zusammen auf der Bühne stehen.“ Sie sei mittlerweile überzeugt, dass das Paar sich liebe.

Wird es auch als das Traumpaar gehandelt werden? Lassen wir sie erst einmal spielen und dann urteilen wir.

Sa 17. Juli – Do 26. August Domplatz, bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus