VOLKSFRONTEN Kunstfestival steirischerherbst 2018

steirischerherbst 2018

VOLKSFRONTEN

noch bis 14. Oktober 2018

Am 20. September 2018 eröffnete der steirische herbst – seine 51. Ausgabe. Es ist Europas ältestes interdisziplinäres Festival für zeitgenössische Kunst. Neue Intendantin und Chefkuratorin ist Ekaterina Degot.

steirischerherbst 2018 / Foto: Christa Linossi

Indentantin steirischer herbst 2018
Ekaterina Degot /Foto: Christa Linossi

Roman Osminkin, Putsch (After D. A. Prigov), 2018 Photo: Mathias Völzke

Als ich nach Graz zum Kunstfestival steirischer herbst fuhr, dachte ich mir, bei dem Titel „volksfronten“ noch dazu durchgestrichen, dies wird ein harter Brocken sein. Ich hatte vorher weder Zeit noch Lust mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sondern ich warf mich einfach in das „kalte Wasser“ und befasste mich dann vor Ort mit dem Thema. Zuerst befasste ich mich, warum ist der „steirische herbst“ und der Titel „volksfronten“ durchgestrichen. Meine Recherche ergab, dass es sich um ein neues Logo des „steirischen herbstes“ handelt. Es ist nicht als durchgestrichen zu betrachten, sondern als Cut oder Schnitt durch die Schrift, die Buchstaben halbieren soll. Das Konzept dazu, der steirische herbst ist berühmt für den Anstoß kontroverser Debatten und seine Vorliebe für das Innovative. Ein gelungenes Logo, dass als störendes Element zu verstehen ist, wie eben der steirische herbst, als störendes Kunstfestival das politisches und gesellschaftliches aufzeigt, was in der Welt schief läuft. Dieser Schnitt vollzieht sich innerhalb dieses Festival und hat somit ein durchgehendes Konzept, dass auch die nächsten Jahre beibehalten bleiben soll.

Nun zum eigentlichen Thema „volksfronten“. Nach weiteren Recherchen und Informationen, wurde mir immer klarer, worum es bei diesem „herbst“ heuer ging. Der Titel Volksfronten wurde bewusst im Plural gehalten um auf höchst unterschiedliche historische Kontexte zu verweisen: die antifaschistischen Bündnisse der 1930er-Jahre, eine rechtsextreme nationalistische Gruppierung in den USA, eine ironische Bezeichnung für repräsentative Fassaden in der DDR. Ziel ist es, die leidenschaftlichen ideologischen Kämpfe und kollabierenden politischen Dichotomien (bezeichnet eine Struktur aus zwei Teilen, die einander ohne Schnittmengen gegenüberstehen) der Gegenwart zu thematisieren. Einer der besten „herbst-Ausstellungen“ seit den letzten 3 Jahren. Ekaterina Degot, ist es gelungen, das Kernprogramm des Festivals Volksfronten als Installation, performative sowie diskursive Arbeit von mehr als 40 Künstler*innen an 20 Veranstaltungsorte, als Parcours zu konzipieren und über die ganze Stadt zu verteilen. Beinahe alle Produktionen sind neu in Auftrag gegeben und entstanden speziell für die diesjährige Edition des steirischen herbstes.

Rosella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave (2018) Photo: Mathias Völzke

Zur Eröffnung des Festivals, welches am 20. September 2018 eröffnet wurde, wurde die legendäre US-amerikanische Gruppe Bread & Puppet Theater zu einer Parade „The Underneath the Above Parade #1“ quer durch die Stadt eingeladen. Gemeinsam mit lokalen Teilnehmer*innen wurde die urbane Topografie sowie die aktuelle politische Entwicklung in Frage gestellt und die verrottete Idee gemeinsam entsorgt.

Bread & Puppet Theater, The Underneath the Above Parade #1, 2018/ Photo: Jasper Kettner

Der japanische Künstler Yoshinori Niwa bietet in Form einer öffentlichen Kampagne an, unerwünschte oder kompromittierende Erinnerungsstücke aus der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus zu entsorgen. Am Grazer Hauptplatz platzierte er einen Container, in dem derlei Relikte abgegeben werden können.

Yoshinori Niwa, Withdrawing Adolf Hitler from a Private Space (2018)
Foto: Mathias Völzke

Yoshinori Niwa, Withdrawing Adolf Hitler from a Private Space (2018)
Foto: Clara Wildberger

 

 

 

 

 

 

 

Im Kulturzentrum Minoriten zeigt das Wiener Künstlerduo kozek hörlonski in Zusammenarbeit mit Alexander Martinz  „Dämonische Leinwände  I – Uninvited (2017) „Dämonische Leinwände II – Arrival     (2018)  Ihre Installationen und Filme, als eine Art Horrorgeschichten beginnen zu Hause und mitten im Herzen des Landes. Diese Horrorgeschichten mit dem Titel  „Dämonische Leinwände“ sind Ausgangspunkt für ein laufendes Projekt für das Wiener Künstlerduo. Extra für den steirischen herbst wurde der Film  „Dämonische Leinwände II – Arrival (2018) in einem kurzem Zeitraum von nur zwei Monaten produziert. Es ist eine Fortsetzung von umfassenden Interesse an historisch belasteten und oft in der Tat beunruhigenden Elementen populärer Mythen und Volkskultur. So legen ihre kurzen ortspezifischen Filme etwas vor, das man am besten mit „Heimat-Horror“ beschreiben könnte. Große Videoleinwände geben den Blick frei auf Horrorversionen die sich zwischen Brauchtum und Realität abspielen.

kozek hörlonski & Alexander Martinz: Dämonische Leinwände II – Arrival, 2018 Foto: Liz Eve

kozek hörlonski & Alexander Martinz: Dämonische Leinwände II – Arrival, 2018 Foto: Liz Eve

<roto> Zentrum für zeitgenössische Kunst zeigt die Ausstellung „Guerilla of Enlightenment“ – „Sie werden es nicht ertragen, sich hinter Mauern und Zäunen zu verstecken“. Eine Ausstellung einer längeren Serie von Ausstellungen mit künstlerischen Positionen, die für die vielfältige Gesellschaft und gegen illiberale Tendenzen eintreten – in Österreich, Europa und darüber hinaus.

Interessant ist auch die Ausstellung im Grazer Kunstverein mit zwei wichtigen künstlerischen Neuaufträgen von Dennis McNulty und Anne Tallentire zum neuem Projekt des Department of Ultimology in Kooperationen mit steirischer herbst als Teil der Volksfronten 2018 organisiert wurde.

Kunsthaus Graz präsentiert im Rahmen des steirischen herbstes die Ausstellung „Congo Stars“, diese Ausstellung werde ich noch extra vorstellen.

Jedenfalls ein gelungener „steirischerherbst 2018 klicken sie einfach auf die Homepage www.steirischerherbst.at