LINZ – DER HÖHENRAUSCH IST WIEDER ZURÜCK – diesmal mit dem Thema: DAS ANDERE UFER

bis 14. Oktober 2018

HÖHENRAUSCH „Das andere Ufer“ / Foto:© Christa Linossi

Der Höhenrausch ist in Linz wieder zurück. Nach einem Jahr Pause kehrt der Höhenrausch, das erfolgreichste Ausstellungsformat im OÖ Kulturquartier und über den Dächern von Linz zurück. Das Thema für das Jahr 2018 lautet: Das andere Ufer  40 internationale sowie auch regionale KünstlerInnen beschäftigten sich mit dem Element Wasser und seinen widersprüchlichen Qualitäten. Die Donau spielt schon seit 100 Jahren in Linz eine große Rolle, sie hat auch historisch eine sehr große Bedeutung. Wir wissen auch, dass das Wasser Leben spendend ist, wir wissen aber auch, dass das Wasser auch Tod bringen kann und wir wissen aber auch, dass das Wasser – die Donau im besonderen historisch – auch eine Grenze ist und Grenzen haben heute mehr Bedeutungen, da ist die Hoffnung das man die Grenze überwinden kann und auf der anderen Seite was ist, dass das Leben leichter und besser machen könnte und aber auf der anderen Seite ist etwas, was auch einen verhindert.

Auf diesen Polen wurde die Ausstellung aufgebaut. Das Wasser ist ein Element das fließt, aber das Wasser ist auch eine harte Materie.  Das Wasser bietet uns sehr viel, vom Klang und Raum angefangen und bietet die Lebensmöglichkeiten auf dem Wasser, im Wasser. Der Mensch war in der Lage, diese scheinbar nicht bewältigbare Wasserebene für sich nutzbar zu machen. Er lernte schwimmen, baute Boote, hat damit Handel betrieben und er hat damit die Kommunikation aufgebaut und den Austausch ermöglicht und das hat uns dazu geführt, wo wir heute sind, mit allen Brücken und letzten Endes auch mit allen Dramen.

Ich bin nicht untergetaucht sondern in die Ausstellung eingetaucht und ich musste feststellen, es ist eine wunderbare Ausstellung, die man sich unbedingt ansehen sollte.

Meine Highlights waren:

Titel der Installation: 67,8 m² ABSPERRBRETTER, 2018

Ovidiu Anton „Absperrgitter“/ Foto:© Christa Linossi

Gleich zu Beginn des Ausstellungsrundganges steht man vor einer Hürde aus rot-weiß-roten Holzbrettern. Es handelt sich dabei um Balken, wie man sie von Baustellen oder Straßensperren kennt und unmissverständlich markieren sie eine Begrenzung, wo man sich als Besucher nicht im Klaren ist, kommt am auf die andere Seite oder muss man hier wo anders ausweichen? Sie symbolisieren nämlich so eine Art von Begrenzung, die nicht übertreten werden darf. Jedoch hat der Künstler Ovidiu Anton die Bretter so verbaut, dass sie wie eine Tribüne zur Geltung kommen und somit auch als Treppe verwenden werden können und man kann diese Art von Grenze überschreiten. „Dem Künstler geht es um dialektische Spannung zwischen Orten und Nichtorten, zwischen gesellschaftlichen Normverhalten und Grenzüberschreitungen, zwischen Verdammnis und Erlösung“. (Thomas Mießgang) Der Künstler: Ovidiu Anton, geboren *1982  in Timişoara, Romania, lebt und arbeitet in Wien.

Titel der Installation: NEW WAVE, 2017

Didier Fiuza Faustino „New Wave“ / Foto:© Christa Linossi

Der *1968 in Frankreich geboren und in Paris lebende Künstler und Architekt Didier Fiuza Faustino, hat mit seiner Installation „New Wave“ eine Art Welle, welche aus herkömmlichen Metallzäunen, wie sie als Sperren und Begrenzungen im öffentlichen Raum zum Einsatz kommen, installiert. Diese Welle wird hier von einer gewaltigen Kraft erfasst und schraubt sich entkoppelt als „neue Welle“ durch den Raum. Es ist zu einer langgedehnten Spirale gedreht und schwebt über den Köpfen der BesucherInnen. Sie symbolisiert einen Ort ohne Barrieren und Grenzen. New Wave steht aber auch für die endlose Suche nach Freiheit.

Titel der Installation: UNCERTAIN JOURNEY, 2016/2018

Chiharu Shiota „Unceertain Journey“ Foto:© Christa Linossi

diese interessante Installation der Künstlerin Chiharu Shiota (geboren *1972 in Osaka/Japan) lässt die BesucherInnen mit ihrer raumgreifenden Installation im großen Saal des OK in einen traumhaften, versunkenen Ort eintauchen. Bei ihrer Installation handelt es sich um ein dichtes Geflecht aus blutroten Wollfäden, welches dem menschlichen Gehirn ähnelt und dieses Geflecht verbindet sich wiederum mit vereinzelten Metallbooten im Raum. Jeder dieser Fäden könnte auch als Aspekt des Lebenswegs eines Menschen verstanden werden. Es ist wie eine „Reise ins Ungewisse“. Es ist Faszination und sich nicht aufhalten wollen, aber dann doch wieder stehen bleiben, eine Art Identität, Erinnerung, Tod und Leben zugleich. Eine exzellente Installation, die einem zum Stehenbleiben zwingt und mit offenen Augen den Raum erfassen lässt. Mit ihrem raumgreifenden, netzwerkfähigen Geflecht aus Fäden und Objekten bearbeitet sie universelle Begriffe wie Identität und Erinnerung.

Titel der Installation: EBBE, 2015

Leo Schatzl „Ebbe“ Foto:© Christa Linossi

Leo Schatzl, der in Obernberg *1958 geborene Künstler, hat ein Objekt geschaffen, dass aus einem alten GFK Kanu, Wathose, Rollen, Schläuche, Ölkanister, Gebläse mit elektronischer Steuerung funktioniert. Die halbe Figur, richtet sich behäbig auf und ab. Mit ihr erhebt sich ein Kanu, das mittels Lenkrollen und an Seiten befestigten Wasserkanister Auftrieb erfährt.  Es entsteht ein natürlicher Rhythmus wie bei Gezeiten wechselt sich ein Zustand aus Druck und Spannung. Jeder Anstrengung folgt ein anschließendes Zusammensinken. Man könnte diese Installation auch als Slapstick hafte Komik interpretieren.

Titel der Installation: THE FLYIN SHIP, 2018

Alexander Ponomarev „The flying Ship“ Foto:© Christa Linossi

Alexander Ponomarev „The flying Ship“ Foto:© Christa Linossi

Das Highlight des „Höhenrausches“ ist natürlich „The Flying Ship, 2018“ das der Künstler Alexander Ponomarev (geboren *1957  in Dnipropetrovsk/UA, lebt in Moskau) in Szene gesetzt hat. Das 2,5 Tonnen schwere Schiff schwebt auf dem Höhenrausch-Dach als weithin sichtbares Zeichen Richtung Donau. Die komplexe Installation greift ein für den russischen Künstler zentrales Thema auf: „den Traum, von Unendlichkeit zu Unendlichkeit zu wandern“ (A.P.) Ohne Anhaltspunkte, in einem Raum, in dem es kein oben und kein unten gibt, verharrt „das fliegende Schiff“ in einem Moment des labilen Gleichgewichts. Mit dem filigranen Schiffskörper, unsichtbaren Segeln und einer Struktur aus verschiedenen Masten schwebt es über das OK Dach und sichtbar vom Donauufer aus, deutet es auch die poetische Installation einen Aufbruch zu neuen Ufern der Fantasie an.

Zum Abschluss

Sarah Rinderer „LOOSE HARBOUR#2“ Foto:© Christa Linossi

Sarah Rinderer „LOOSE HARBOUR#2“ Foto:© Christa Linossi

gibt es noch ein verstecktes Zeichen vor dem OK Gebäude wo hoch drüber das Logo der Voest Alpine normal sich in Szene setzt, hat die Studentin Sarah Rinderer mit ihrer Installation „LOOSE HARBOUR#2“, das Voest Logo in das internationale Flaggenalphabet der Schifffahrt umgewandelt. Die buchstabierte Botschaft „IS OPEN SPACE WITHIN SIGHT“ (IST OFFENER RAUM IN SICHT) Sie fragt angelehnt an Ausdrücke aus der Seefahrersprache nach dem „open space“ des Original-Schriftzugs (Voest Alpine) und spielt gleichzeitig mit dessen (Un)sichtbarkeit. Das titelgebende Kurzsignal YZ wird in der Seefahrt gehisst, um anzuzeigen, dass in der Folge mithilfe des Flaggenalphabets buchstabiert wird.

OÖ Kulturquartier setzt mit HÖHENRAUSCH 2018 wieder exzellente Kunst in Szene. Der HÖHENRAUSCH ist auch ein Teil der DonauArt, einem institutionenübergreifenden Ausstellungsprojekt.

„Flying Ship“ Sicht von der Donau aus / Foto:© Christa Linossi

Es lohnt sich, diese Ausstellung anzusehen. www.hoehenrausch.at