BALKENHOLS  „LÀ CI DAREM LA MANO“  UND DER RESIDENZPLATZ

„Ein Moment voller Erwartung, der im Raum verfliegt.“

Ausstellungsplakat zu Stephan Balkenhols „Là ci darem la mano“ – der offizielle Auftakt zu einer Inszenierung, die sich auf dem Residenzplatz anders entfaltet als erwartet. Foto (c) Christa Linossi 2026

Im April 2026 wurde angekündigt, dass Stefan Balkenhol heuer Opernfiguren am Residenzplatz zeigen wird. Am 25. Juli 2026, kurz vor dem Auftakt der Salzburger Festspiele, wurde die Installation enthüllt – ein Moment, der eigentlich Bühne, Erwartung und Begegnung versprechen sollte.

Der Titel „Là ci darem la mano“ – das berühmte Duett aus Mozarts Don Giovanni – bedeutet: „Dort werden wir uns die Hand geben.“ Ein Satz voller Nähe, Übergang, Berührung. Ein Satz, der wie ein leiser dramaturgischer Faden durch die Festspielzeit führen könnte. Balkenhol wollte den Residenzplatz mit Figuren der Opernwelt beleben, sie als temporäre Bürger*innen der Stadt auftreten lassen, die universelle Themen wie Freiheit, Macht, Schuld, Eifersucht und Liebe verkörpern.

Balkenhol ist in Salzburg kein Unbekannter. Seine „Sphaera“ am Kapitelplatz – die goldene Kugel, die längst zum Stadtzeichen geworden ist – zeigt, wie stark seine Figuren wirken können, wenn der Raum sie trägt.

Doch am Residenzplatz geschieht etwas anderes. Die Figuren stehen da wie angehaltene Schritte, die der Platz nicht auffängt. Sie verlieren sich im Weitwinkel dieser riesigen Fläche, als hätte man sie aus einer Erzählung herausgelöst und ohne Kontext nebeneinander gestellt. Die Stahlträger heben sie zwar an, doch sie bleiben isoliert – zu weit voneinander entfernt, um das Motto „Wir reichen uns die Hände“ überhaupt andeuten zu können.

Aus der Nähe jedoch entfaltet sich Balkenhols ganze Kraft. Eine der Figuren – in rotem Kleid, der Körper in einer eleganten Spannung, ein Bein nach hinten ausgestreckt, ein Arm erhoben – wirkt wie ein angehaltener Moment, der gleich weiterfließen könnte.

Die Figur entfaltet aus der Nähe ihre ganze Balkenhol‑Kraft – ein angehaltener Schritt, der im weiten Residenzplatz keine Bühne findet. Foto (c) Christa Linossi 2026

Man kann sie fotografieren, als würde sie im nächsten Atemzug in eine Bewegung kippen. Der Körper ist ruhig und gleichzeitig voller innerer Energie, ein Mensch aus Holz, der atmet. Doch sobald man zurücktritt, verliert sich diese Intensität. Der Platz verschluckt sie, als wäre sie ein Gedanke, der nicht zu Ende gesprochen wird.

Man wollte offenbar – wie im Vorjahr bei Jaume Plensa – eine große Geste setzen. Doch Plensas überdimensionierte Köpfe hatten die Wucht, die dieser Platz verlangt. Balkenhols Figuren hingegen bräuchten Nähe, Verdichtung, vielleicht eine Gruppierung rund um den Residenzbrunnen, so wie im DomQuartier, wo seine Figuren im Kleinformat als Ensemble funktionieren und miteinander sprechen.

Es erstaunt, dass dies weder den Fachleuten noch dem Künstler selbst aufgefallen ist. Eine digitale Vorab-Simulation des Platzes hätte gezeigt, dass die Figuren in dieser Anordnung an Intensität verlieren. Der Raum verschluckt sie – und mit ihnen die Idee.

Als ich heute dort stand, mitten in der Festspielzeit, sah ich kaum Resonanz. Tourist*innen strömten durch die Stadt, doch die Figuren wurden kaum wahrgenommen. Sie stehen zu weit auseinander, zu verloren im Raum. Die „Sphaera“ hingegen – obwohl auch nicht perfekt platziert – zieht Menschen an, ist ein Fixpunkt, ein Zeichen.

Balkenhols Figuren erklären nicht, sie laden ein: zum Innehalten, zum Nachdenken über Alltag und Frieden. Doch hier bleibt diese Einladung in der Luft hängen. Der Versuch, die Oper zu den Menschen zu bringen, ist ehrenwert – aber die Inszenierung ging daneben. Der Platz blieb eine Bühne ohne Ensemble.

Dieser Text wurde von der Autorin Christa Linossi verfasst und mit KI‑Assistenz (Microsoft Copilot) sprachlich verdichtet und strukturell verfeinert.

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