
Ein Rundgang durch drei künstlerische Welten im Rupertinum
Das Rupertinum zeigt drei Positionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Georg Baselitz, Georgia Gardner Gray und Ernst Caramelle. Ich war bei der Pressekonferenz dabei und kehrte später noch einmal zurück, um mich den Räumen und ihren Atmosphären ganz hinzugeben.
Baselitz – Manifest und Linie

Der Rundgang beginnt mit Baselitz Manifeste. Minimalistisches Licht, stille Wände, 57 frühe Zeichnungen und Plakate. Die Schau macht den jungen Baselitz der 1960er‑Jahre sichtbar: radikal, tastend, suchend. Ich stand lange vor diesen Linien, die sich zu Köpfen verdichten und wieder zerstreuen. Schwarze Striche, die wie Gedanken wirken, die sich nicht entscheiden wollen. Sind diese Linien Ausdruck einer Psyche, einer Bewegung, eines Unterbewusstseins? Oder ein politischer Widerstand, gespeist aus den Texten, die Karl Marx einst „Poesie der Revolution“ nannte? Baselitz hinterfragt das Sehen — und zwingt uns, mitzudenken.
Georgia Gardner Gray – Farbe, Zeitgeist, Stonehenge

Der nächste Raum öffnet sich wie ein Ruf. Schwarze Wände, kräftige Farben, dann ein Raum in Rot‑Orange. Gray, 1988 in New York geboren, verbindet Bildtraditionen mit Zeitgeist. Ihr neues Werk kreist um Steine — genauer: um die Megalithen von Stonehenge. Ein Ort, der seit Jahrhunderten fasziniert, weil seine Bedeutung rätselhaft bleibt. In Grays Bildern stehen Touristengruppen, Liebespaare, Kinder und Schafe vor den Steinen, als würden sie fragen: Welche Kraft wirkt hier? Leuchtende Farben, starke Kontraste — Vergangenheit und Gegenwart treffen sich in einem magischen Zwischenraum.
Ernst Caramelle – Konzept, Illusion, Raum

Der letzte Raum gehört Ernst Caramelle, einem der bedeutendsten Vertreter österreichischer Konzeptkunst. Bücher, Zeichnungen, Plakate, experimentelle Fotografie — alles durchdrungen von einer produktiven Skepsis. Caramelle untersucht das fragile Verhältnis von Realität und Illusion und lädt uns ein, genauer hinzusehen. Seine Plakate sprechen eine eigene Sprache: reduziert, präzise, fast streng. Seine Fotografien öffnen neue Raumgefühle. Für mich persönlich war dieser Raum eine stille Inspiration — ein Hinweis darauf, wie ich meine eigene Kunst wieder beleben könnte.
Mein Eindruck?
Ein Rundgang durch das Rupertinum lohnt sich: drei Künstler, drei Welten, drei Arten, die Wirklichkeit zu befragen. GENERATOR #5: Georgia Gardner Gray – Steine Museum der Moderne Salzburg.
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