AUFBRUCH SALZKAMMERGUT! – Was bleibt nach 2024, was beginnt jetzt?

Foto: Christa Linossi – aus dem Katalog „Aufbruch, Salzkammergut!“
 

Bad Ischl nach 2024: Die Kulturhauptstadt ist vorbei, aber der Prozess beginnt erst. Aufbruch, Salzkammergut! will die Region zu einer Modelllandschaft für das ländliche Europa machen – mit Kunst und Kultur als Motor. Zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft, zwischen regionaler Identität und internationaler Vernetzung entsteht eine „neue Ländlichkeit“. Die Frage bleibt: Wird aus Vision auch Realität?

Nach diesem Blick nach vorne wurde gestern in Bad Ischl zur Pressekonferenz „Aufbruch, Salzkammergut!“ geladen – der Nachfolgeorganisation der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024. Die Pressesprecherin zeigte sich sichtlich erfreut über die journalistische Aufmerksamkeit, zumal parallel eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz der Salzburger Festspiele stattfand.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie die Impulse des Kulturhauptstadtjahres langfristig in der Region verankert werden können. Ziel ist es, das Salzkammergut als Modellregion für das ländliche Europa zu etablieren – mit Kunst und Kultur als Motor gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und regionaler Transformationsprozesse.

Podium und Positionen

Podiumsdiskussion im Rahmen von „Aufbruch, Salzkammergut!“: v.l.n.r. und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Rudolf Raffelsberger (LAbg., Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien), Meena Lang (BMWKMS), Moderatorin: Verena Haidl, Foto: © Rudi Gigler, 2026

Am Podium diskutierten: Meena Lang (BMWKMS), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Rudolf Raffelsberger (LAbg, Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien) und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!).

Die Gesprächsrunde beleuchtete, welche Erkenntnisse aus dem Kulturhauptstadtjahr gewonnen wurden und wie diese in eine nachhaltige Struktur überführt werden können. Besonders betont wurde die Bedeutung einer länderübergreifenden Zusammenarbeit bis 2030, um kulturelle Nahversorgung, neue Formate und internationale Vernetzung dauerhaft zu sichern.

Kultur als Motor – zwischen Tradition und Zukunft

Christina Jaritsch hob hervor, wie stark sich das regionale Lebensgefühl verändert, wenn zeitgenössische Kunst, Jugendkultur und internationale Impulse in den ländlichen Raum einfließen. Traditionen würden dadurch nicht verdrängt, sondern neu betrachtet und als Inspirationsquelle genutzt. Der Kulturhauptstadtprozess sei „erst der Start“.

Auch Theresia Niedermüller (BMWKMS) betonte, dass eine Europäische Kulturhauptstadt nicht mit dem Titeljahr endet. Die Nachfolgeorganisation müsse zentrale Zukunftsthemen weiterführen: kulturelle Nahversorgung, Frauen im ländlichen Raum, Ökologie, Mobilität, Tourismus und Abwanderung.

Europäische Dimension und Legacy-Prozess

Die Europäische Kommission fordert ausdrücklich die Weiterentwicklung solcher Strukturen im Rahmen des Legacy-Prozesses. Aufbruch, Salzkammergut! soll die internationale Dimension ausbauen – etwa durch EU‑Projekte wie THE BIG GREEN, DECONFINING oder die Mitgliedschaft im Netzwerk Culture Next.

Damit positioniert sich die Region als Labor einer „neuen Ländlichkeit“, die kulturelle Innovation, regionale Identität und internationale Perspektiven verbindet.

Ausblick

Zu den kommenden Meilensteinen zählen:

  • Umsetzung der Kulturvision Salzkammergut 2030
  • Ausbau internationaler Netzwerke
  • Vorbereitung der ersten Salzkammergut Triennale 2027

Das Kulturhauptstadtjahr 2024 wird damit als Ausgangspunkt eines langfristigen Transformationsprozesses verstanden – getragen von Kooperation, Offenheit und dem Anspruch, die Zukunft des ländlichen Raums aktiv zu gestalten.

Offene Fragen, die bleiben

  • Wird Aufbruch, Salzkammergut! seine ambitionierten Ziele tatsächlich konkretisieren und umsetzen?
  • Kann Bad Ischl als „Observing Member“ im Netzwerk Culture Next glaubwürdig und aktiv an europäischen Diskursen teilnehmen?
  • Wird die Region aus internationalen Kooperationen neue Impulse gewinnen – und diese in eine eigene Strategie übersetzen?
  • Gelingt der doppelte Blick: nach außen (Europa, Netzwerke, Projekte) und nach innen (Region, Gemeinden, Bevölkerung)?

Die Antworten werden sich nicht am Podium entscheiden, sondern im Alltag der Menschen, die hier leben.

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