
„Ein Festival, das Haltung zeigt und Kunst als Denkraum öffnet.“
Die Salzkammergut Festwochen Gmunden präsentierten ihr Programm für 2026 – ein Festival, das sich Jahr für Jahr weiterentwickelt und längst zu einem eigenständigen kulturellen Fixpunkt geworden ist. Auch wenn die Salzburger Festspiele weiterhin in einer eigenen Liga spielen, formt sich hier ein Format, das zunehmend Profil, Mut und künstlerische Handschrift zeigt.
Ein starkes Leitmotiv: „Kommen härtere Tage?“
Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann greifen die Festwochen ein abgewandeltes Zitat aus ihrem Gedicht Die gestundene Zeit auf. Ein Motto, das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage eine fast schmerzhafte Aktualität besitzt.
Presseinformation: Das Zitat eröffnet einen signalisierenden Denkraum, der zeigt, dass das Werk der großen österreichischen Dichterin nichts an Dringlichkeit verloren hat. Ein Festwochensommer zwischen Sehnsucht, Widerstand und Poesie, der sich nicht mit einfachen Antworten begnügen will. Ein Sommer, der berührt, herausfordert und zwischen See und Bergen verbindet – ein Festival, das Kunst und Kultur als lebendige Kraft versteht und Menschen zusammenführt.
Die Kunst der Nähe – Musik im Zentrum
Mit dem neuen künstlerischen Leiter Musik, Rafael Fingerlos, rückt die Musik stärker in den Fokus. Das neu konzipierte Lied Fest stellt das Lied – die wohl intimste musikalische Form – ins Zentrum.
Presseinformation Sänger:innen und Pianist:innen treten in einen direkten Dialog mit dem Publikum – ohne Distanz, ohne Pathos, aber mit großer Intensität.
Zwei Produktionen, die herausragen
1. Parov Stelar – ein Multimedialist mit unverwechselbarer Handschrift
Mein persönliches Highlight ist Parov Stelar (bürgerlich Marcus Füreder). Seine Biografie ist geprägt von Höhen und Tiefen, von künstlerischer Suche und radikaler Eigenständigkeit. Er ist Musiker, Maler, Autor – und in all dem erstaunlich bodenständig geblieben.
Er studierte Malerei und Grafik in Linz und Berlin, wurde jedoch als Musiker zum Weltstar. Seine Kunst ist ein Ineinanderfließen von Klang und Bild: Wenn er malt, hört er Musik; wenn er komponiert, entstehen Bilder. Zwei Seiten derselben kreativen Energie.
Er gilt als Erfinder des Electro-Swing – einer Mischung aus Jazz- und Swing-Elementen der 1920er/30er Jahre, verbunden mit modernen elektronischen Beats.
Mit dem Album „Artifact“ eröffnet er ein neues Kapitel: Eine cineastische Klangwelt, in der orchestrale Arrangements, elektronische Samples und moderne Beats verschmelzen. Live verbindet er elektronische Produktionen mit Instrumenten, orchestraler Fülle und visueller Inszenierung. Seine Musik entsteht zuerst für ihn selbst – erst dann wird sie geteilt. Diese Haltung macht seine Arbeit so authentisch und frei.
Zeitgleich eröffnet im K-Hof Kammerhof Museum Gmunden die Ausstellung „Leave The Future Behind“ (18. Juni bis 16. August 2026). Sie zeigt Parov Stelar als bildenden Künstler und erweitert das Konzerterlebnis zu einem Gesamtkunstwerk.
2. Ingeborg Bachmann – zwei Lesungen zum 100. Geburtstag
Die Festwochen widmen der großen österreichischen Schriftstellerin zwei Abende:
13. August 2026 – Stadttheater Gmunden
Lesung mit Johanna Wokalek und Markus Meyer aus dem Briefwechsel Bachmann–Celan: „Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann …“ Ein intensives Zeugnis zweier Menschen, die einander lieben, verletzen, verlieren und doch nicht loslassen können.
15. August 2026 – Stadttheater Gmunden
Michael Maertens liest die Erzählung „Ein Wildermuth“ (1961). Ein Text, der vom Gerichtsreport zum inneren Monolog wird und die Frage nach Wahrheit, Gerechtigkeit und persönlicher Verantwortung radikal offenlegt.
Was bedeuten die Festwochen für die Region?
Das Programm ist vielfältig, klug kuratiert und in der Kulisse des Toscanaparks atmosphärisch kaum zu übertreffen – vorausgesetzt, der Wettergott zeigt sich gnädig.
Das Salzkammergut ist touristisch stark erschlossen und zieht jährlich mehr Publikum an. Die Festwochen bieten diesem Publikum ein authentisches, ländlich-elegantes Umfeld und als Draufgabe ein exklusives Kulturprogramm, das weit über die Region hinausstrahlt.
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