jung & jede*r – Wenn Geschichten aufbrechen und zu den Kindern reisen

„Zwei Schauspieler stehen auf der Bühne, umgeben von Krähenfiguren; eine Szene aus ‚Kri‘.“
Zwischen zwei Krähen, die mehr wissen als sie verraten, sitzt KRI – lauschend, lauernd, lebendig. Ein Moment, der wie ein Atemzug aus der Zukunft wirkt: jung, wild, wach. Theater, das nicht erklärt, sondern einlädt. Theater, das spricht, bevor ein Wort gefallen ist.
Foto: KRI 2026 © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer

Wenn im Frühjahr 2026 die mobilen Produktionen der Salzburger Festspiele aufbrechen, verwandelt sich Salzburg erneut in eine große, lebendige Bühne. Jung & jeder* bringt das Theater zu den jungen Menschen – direkt in ihre Schulen, ihre Orte, ihre Welt.

Nicht die Kinder kommen zum Theater – das Theater kommt zu ihnen. Von März bis April rollt ein 33-Tonner durch Salzburg, vollgepackt mit Geschichten, Musik, Licht, Mut und der Einladung, die Welt für einen Moment anders zu sehen.

Seit sechs Jahren tragen diese mobilen Produktionen das Schauspiel dorthin, wo es sonst nicht hinkäme: in Turnsäle, Aulen, Kulturzentren, Klassenzimmer. Dorthin, wo Kinder und Jugendliche leben, lernen, träumen.

Dieses Jahr reisen zwei Stücke mit: KRI und HOLLE. Zwei Welten, zwei Sprachen, zwei Arten, die Wirklichkeit zu öffnen.

KRI – Ein Mädchen, das alles durcheinanderbringt

„Amadeus König, Marie Luise Arnold und Camilla Krause bei einem Probeneinblick zur Schauspielproduktion ‚Kri‘.“
Probeneinblick in die Schauspielproduktion „Kri“: Amadeus König, Marie Luise Arnold, Camilla Krause (Dorfgemeinschaft), Tanja Radovanović (Kri) © Salzburger Festspiele / Neumayr / Leo

KRI ist ein Stück, das nicht laut schreit, sondern leise unter die Haut geht. Der Autor Stefan Wipplinger, ausgezeichnet mit dem Retzhofer-Dramapreis, erzählt eine Geschichte über Fremdsein und Freundschaft, über Angst und Neugier, über das fragile Gleichgewicht eines Dorfes, das plötzlich ins Wanken gerät.

Ich sah das Stück zweimal – einmal in der Probe, einmal bei der Premiere in der Bachschmiede – und jedes Mal blieb dieser Moment hängen: wie ein Mädchen in einem alten Wartehäuschen sitzt, als wäre es der selbstverständlichste Ort der Welt. Während draußen die Gerüchte kreisen, die Dorfbewohner tuscheln, urteilen, sich fürchten.

„Tanja Radovanović und Amadeus König in einer ruhigen Bühnenszene aus ‚Kri‘, im Gespräch sitzend.“
Kri hört zu. Ganz ruhig, ganz wach. Ein Gespräch mit dem Busfahrer, das wie ein kleiner Riss im Alltag wirkt – und plötzlich wird alles möglich.
Kri 2026: Tanja Radovanović, Amadeus König © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer

KRI aber hört zu. Sie stellt Fragen. Sie bringt Meinungen durcheinander. Und plötzlich beginnt etwas zu bröckeln – nicht bedrohlich, sondern befreiend.

Der Bühnenraum ist klein, fast intim: eine Haltestelle, die niemand mehr benutzt. Doch im Laufe des Stücks wächst daraus ein Zuhause. Eine Standuhr taucht auf, ein Lampenschirm, ein Vorhang, ein Fernseher, ein Blumenstock. Die Dorfbewohner bringen, was sie haben – vielleicht aus Neugier, vielleicht aus Mitgefühl, vielleicht aus einem unbewussten Wunsch nach Veränderung.

Da die Bühne zu klein ist für ein ganzes Dorf, tragen die Schauspieler kleine Häuser auf dem Kopf. Ein poetisches Bild: Menschen, die ihre Welt mit sich herumtragen.

„Drei Schauspieler halten kleine Modellhäuser auf dem Kopf in einer Szene aus ‚Kri‘.“
„Dorfgemeinschaft mit ihren Häusern – ein poetisches Bild aus ‚Kri‘ © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer“

HOLLE – Wenn das Wetter aus dem Ruder läuft !

Die zweite mobile Produktion ist die Oper HOLLE, frei nach dem Grimm’schen Märchen. Doch hier ist Frau Holle keine Märchenfigur, sondern eine überforderte Wetterchefin, die versucht, es allen recht zu machen – und daran scheitert.

Es ist zu heiß. Es regnet zu viel. Es schneit zu wenig. Es stürmt zu oft.

Irgendwann sagt sie: Genug. Das Wetter ist kein Wunschkonzert.

Gold-Andy und Pech-Andy sollen übernehmen – und natürlich geht alles schief. Mit Humor, Musik und einer großen Portion Fantasie führt die Oper durch alle Wetterlagen: vom Sonnenschein-Dur bis zur Hagel-Arie.

Eine Sängerin, zwei Instrumentalist*innen – und eine Geschichte, die Kinder sofort versteht.

„Maria Leitgab, Ursula Gessat und Catharina von Bülow bei der Pressekonferenz zu jung & jeder 2026.“*
PK jung & jede*r 2026: Maria Leitgab (Dramaturgie „Kri“), Ursula Gessat (Education Managerin der Salzburger Festspiele), Catharina von Bülow (Regie „Holle!“)
© SF/Neumayr/Leo

Premieren und Spielorte

Das Schauspielhaus mit seinen drei Spielstätten – Saal, Studio, Säulenfoyer – ist längst ein Zuhause für jung & jeder* geworden.

  • HOLLE – Premiere: 17. Juli 2026
  • KRI – Premiere: 23. Juli 2026
  • KING ARTHUR JUNIOR – Premiere: 26. Juli 2026, eine Neukomposition im Auftrag der Festspiele

Für mich bleibt KRI ein leuchtender Moment dieser Saison – ein Stück, das Türen öffnet. HOLLE konnte ich nicht sehen, doch schon der Gedanke an diese fantasievolle Oper lässt sie in meiner inneren Favoritenliste aufscheinen. Jung & jeder* zeigt, wie wichtig es ist, Kunst dorthin zu bringen, wo junge Menschen sie wirklich erleben können.

jung & jede*r • Salzburger Festspiele

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..