
1975, in Graz, begann ich als 20‑jährige erstmals textlich über Technik, Zukunft und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine nachzudenken – lange bevor die digitale Welt Realität wurde. Damals war vieles noch Science‑Fiction: Computer waren selten, KI ein Fremdwort, und die digitale Welt existierte nur in Visionen. Und doch spürte ich schon damals, dass die Technik uns überholen würde – emotional, körperlich, gesellschaftlich.
51 Jahre später hat sich die Welt verändert. Der Mensch jedoch kaum.
Meine neue Grafik zeigt das: Der Kreis als Welt. Die Denkzellen der Menschheit. Das Schachbrett als Ordnung und Chaos. Und im Hintergrund der Mensch – ein Körper aus der Steinzeit, ein Kopf im digitalen Zeitalter.
Aus dieser Spannung heraus entstand die neue Version meines Textes.
VERWIRRUNG – Version 2026
Wir treiben durch die digitale Welt, getrieben von Algorithmen, vernetzt bis in die letzte Zelle. Wir fliehen vor der Geschwindigkeit und suchen gleichzeitig nach ihr. Unsere Nerven vibrieren im Dauerrauschen der Datenströme, wir rennen durch Städte, die nie schlafen, wir wischen über Displays, wir sprechen mit Maschinen, die uns antworten, als wären sie Menschen.
Wir programmieren, optimieren, automatisieren – und fragen uns, wann der Moment kommt, an dem wir die Kontrolle verlieren. Roboter, Computer, künstliche Intelligenzen – sie sind unsere Werkzeuge, unsere Helfer, unsere Schatten. Doch im Hintergrund steht noch immer der Mensch, der herrscht, lenkt, entscheidet – ein Körper aus der Steinzeit, ein Kopf im 21. Jahrhundert.
Wir wissen, dass keine Maschine uns brutal unterwerfen wird. Aber wir wissen auch, dass wir Nerven aus Stahl brauchen, um in dieser Welt nicht zu zerbrechen. Wir suchen nach Klarheit und finden nur selten die Quelle, die uns reinigt.
Unsere Erfindungen überholen uns. Sie fliegen, fahren, rechnen, analysieren – schneller, präziser, unermüdlich. Sie sind die neuen Sklaven, und doch sind wir es, die sich von ihnen abhängig machen.
Wir marschieren weiter in das Maschinenzeitalter, Schritt für Schritt, Klick für Klick. Die Technik prägt uns, formt uns, fordert uns. Und wir fragen uns: Wer sind wir in dieser neuen Welt? Und wer werden wir sein?
Autorinnen‑Notiz
Ich beschäftige mich seit den 1970er‑Jahren künstlerisch und textlich mit Technik, Zukunft und den Spannungsfeldern zwischen Mensch und Maschine. Mein Text „Verwirrung“ entstand 1975 in Graz – lange bevor die digitale Welt Realität wurde. Heute, 51 Jahre später, kehrt er in neuer Form zurück. Meine Grafik und der aktualisierte Text verbinden Vergangenheit und Gegenwart und zeigen, wie wenig sich der Mensch verändert hat – und wie sehr die Welt sich beschleunigt.
Der Originaltext von 1975 (optional als historischer Anhang)
VERWIRRUNG
Wir stürzen uns in die Flut der Technik, wir strömen durch die Welt, geprägt von der Technik, manche versuchen zu fliehen. Unsere Nerven werden zertrümmert mit des Lärmes Qual, wir hasten an Fabriken vorbei, wir rasen mit schnellen Autos, wir spielen mit Computern, wir machen Reisen ins Weltall. Wir erfinden, hämmern und programmieren und wir fragen uns, wann kommt die Zeit wo wir alle die Nerven verlieren! Wir werden umlauert von Robotern, Computern! Sie sind unser neues Werkzeug! Wir brauchen sie nur zu bedienen und wir fragen uns, wer wird der stärkere sein und gewinnen? Wir laufen die Straße entlang, sie nimmt kein Ende, wir haben Angst, wir wissen es gibt keine verhexten elektronengehirne, die uns über den Kopf wachsen und uns brutal unter das Joch zwingen.
Doch wir wissen alle, wir brauchen Nerven wie Drahtseile, Nerven wie Eisen, Nerven wie Stahl und trotzdem leben wir unter dieser Qual. Wir stürzen uns in die Flut der giftigen Welle, wir suchen und können nicht finden die reine Quelle?! Unsere Maschinen die wir erfunden, wie schnell sie die Welt überrunden. Sie fliegen, fahren, sie dröhnen, surren und schnorren, das sind des Menschen erfundene Motoren. Wir hetzen weiter die Straße entlang, die in das Maschinenzeitalter drang. Unsere neuen Sklaven sind die Maschinen, sie brauchen keinen Lohn, sie produzieren am laufenden Band Stumpfsinn, sie sind seelenloser Mitarbeiter des Alltags geworden. Doch die Maschine kann nie unser gleichwertiger Partner sein. Wir stürzen uns in die Flut der Technik, wir strömen durch die Welt, geprägt von der Technik, manche versuchen zu fliehen?!
Ich war zwanzig — und die Zukunft stand bereits hinter mir.
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