Ein Blick auf Europas neue Kulturhauptstadt, wo Stille zu Präsenz wird und Licht eine eigene Sprache spricht.

Wieder einmal ist es so weit: Zwei Städte aus den EU-Mitgliedstaaten teilen sich 2026 den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Ein kurzer Blick zurück: 1985 wurde diese Erfolgsgeschichte auf Initiative der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri ins Leben gerufen. Seitdem hat sich die Kulturhauptstadt zu einem der ehrgeizigsten Kulturprojekte Europas und zur bekanntesten Kulturinitiative der EU entwickelt.
Ihr Ziel ist klar: Den Reichtum und die Vielfalt europäischer Kulturen sichtbar machen und als Botschafter eines offenen, toleranten Europas wirken.
Die Auswahl erfolgt durch eine EU-Jury, unterstützt von zwei nationalen Expertinnen. Das Verfahren ist zweistufig und beginnt bereits sechs Jahre vor dem Veranstaltungsjahr mit einer nationalen Ausschreibung.
2026 wird ein spannendes Jahr: Oulu in Finnland und Trenčín in der Slowakei tragen den Titel und werden zu kulturellen Aushängeschildern Europas. Was hinter dem Konzept der Kulturhauptstädte steckt – und wie es Städte nachhaltig verändert – zeigt sich besonders eindrucksvoll im hohen Norden.
Oulu 2026 – Wo Europa leise wird

Ich beginne mit Oulu, das seine Kulturhauptstadt am 16. Jänner 2026 eröffnet.
Und dort, wo Europa leise wird, liegt Oulu – fast am Ende des Kontinents. Wo das Licht im Winter nur ein schmaler Atemzug ist und der Sommer die Nacht vergisst. Eine Stadt, die gelernt hat, mit Stille zu sprechen und mit Kälte zu denken. 2026 wird sie laut – aber nicht schrill, sondern klar.
Oulu trägt die Kulturhauptstadt wie ein Nordwind: nicht als Dekoration, sondern als Bewegung. Die Stadt will nicht glänzen, sie will berühren. Sie will zeigen, wie Kultur entsteht, wenn Menschen mit Wetter, Dunkelheit und Weite leben.
Oulu ist kein klassisches Kulturzentrum. Die Stadt ist rau, ehrlich, ungeschönt. Ein Ort, an dem man Kultur nicht konsumiert, sondern mitträgt.
Finnland: Glück, Technologie und Kultur
Oulu liegt im hohen Norden Finnlands – einem Land, das regelmäßig zu den glücklichsten der Welt zählt. Finnland ist bekannt für:
- seine Eishockeyspieler
- seine Saunen
- seine düsteren Heavy-Metal-Bands
- seine skurrilen Weltmeisterschaften (Gummistiefelweitwurf, Luftgitarre, Frauentragen)
- und für technologische Innovationen
Mit dem Telekommunikationsriesen Nokia ist Finnland ein globaler Technologiestandort. Oulu selbst beherbergt einen großen Nokia-Campus, der sich auf 5G- und 6G-Technologien konzentriert. Forschung und Bildung sind hier tief verankert – ebenso wie eine lebendige Kunstszene, geprägt von der Nähe zur Natur.
Oulu2026 – Kultur als Bewegung
Kultur, Kunst und vielfältige Veranstaltungen erobern 2026 die gesamte nordfinnische Region. Das Programm Oulu2026 wird von Hunderten Künstlerinnen und Künstlern aus Oulu, Finnland und ganz Europa getragen.
Es ist ein Jahr, das zeigen will, wie Kultur aussieht, wenn sie aus einer Landschaft kommt, die von Licht, Wetter und Weite geprägt ist.
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