
Ein stiller Auftakt ins neue Jahr: Im Künstlerhaus zeigt Isabell Rauchenbichler eine Werkserie aus Wachs, Licht und Erinnerung. Fragil. Schwebend. Nachhallend.
Parallel zur Jahresausstellung öffnet sich im kleinen Kabinett des Künstlerhauses ein stillerer, konzentrierter Raum. Hier zeigt die Salzburger Künstlerin Isabell Rauchenbichler ihre neue Werkserie „And the Flowers Are Melting“ – Arbeiten, die das Zusammenspiel von Wachs, Licht, Oberfläche und Erinnerung ins Zentrum rücken.
Bienen dienen ihr dabei nicht als Motiv, sondern als Denkfigur: als Architektinnen des Ephemeren, als Meisterinnen jener Strukturen, die halten und zugleich nachgeben. Rauchenbichler, die im Vorjahr den Förderpreis der Stadt Salzburg erhielt, arbeitet mit Materialien, die Erinnerungen speichern wie Haut: Wachs, Stoff, Schichten, die Licht durchlassen und zugleich verbergen. Ihre Objekte wirken, als befänden sie sich im Moment des Betrachtens im Wandel – schmelzend, erstarrend, wieder auftauchend. Ein leises Vibrieren zwischen Naturmetapher und innerem Raum.

Im Zentrum des Raumes steht ein großes Objekt aus Luftpolsterfolie, von der Künstlerin „Cluster“ genannt. Es erinnert an ein Nest – weder eindeutig Biene noch Wespe – und wird von einer LED-Lampe durchleuchtet. Ein hybrides Gebilde, das an die Architektur des Bienenstocks anknüpft, ohne sie zu imitieren.
Zur linken Seite befinden sich Arbeiten auf Bienenwachs, mit Pigment und Öl gezeichnet: Milky Way, Cirrous, Breeze und Peak. Filigrane, empfindliche Oberflächen, in denen Fragmente auftauchen – ein Stuhl, eine Tastatur, eine rote Treppe. Spuren, die wirken wie Erinnerungsreste, eingeschrieben in ein Material, das zugleich schützt und dem Verfall ausgesetzt ist.

Neben diesen Wachsstrukturen zeigt Rauchenbichler auch Arbeitsanzüge, die an eine lange Tradition erinnern, in der Kleidung den arbeitenden Körper repräsentiert. Hier fungieren die Overalls sowohl als Überreste als auch als Bildträger. Drei bemalte Anzüge tragen die Titel Secret Garden, Soft Bones und Quasiterrestrial Dance. Letzterer verweist auf einen „fast irdischen“ Tanz – eine Bewegung zwischen Bodenhaftung und Transzendenz, die sich gut in Rauchenbichlers Natur‑ und Körpermetaphorik einfügt.

Das Studio erweist sich als idealer Ort für diese fragile, poetische Werkserie. Die Installationen wirken leicht, fast schwebend, und öffnen einen Wahrnehmungsraum, der weniger zum Durchdringen als zum Beobachten einlädt – und dennoch nachhallt.
Isabell Rauchenbichler (1972, Salzburg) studierte Bildende Kunst an der Kunstuniversität Linz bei Ursula Hübner. In ihren Arbeiten verbinden sich Malerei und Objekt zu fragilen, raumbezogenen Installationen, in denen die Wahrnehmung selbst Teil des Werkes wird.
Ein leiser Auftakt ins neue Jahr – und ein Werk, das noch lange nachklingt.
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