
Ausstellungsansicht © Salzburg Museum/Laurin Christl
© Salzburg Museum/Laurin Christl
Gastspiel des Salzburg Museum im Salzburger Kunstverein bis 16. November 2025
Im Salzburger Kunstverein zeigt das Salzburg Museum unter dem Titel The Museum of (Non) Restitution eine Ausstellung, die sich mit der komplexen Geschichte der „Arisierung“ von Kunst- und Kulturgütern während der NS-Zeit auseinandersetzt. Sie richtet sich an alle, die sich für Provenienzforschung, Erinnerungskultur und die ethischen Fragen rund um Restitution interessieren.

© Salzburg Museum/Laurin Christl
Ausgangspunkt sind Objekte aus der Sammlung des Salzburg Museum, die während des Nationalsozialismus ihren rechtmäßigen Eigentümerinnen entzogen wurden. Diese Werke werden in einen Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen gebracht. Die international renommierten Künstlerinnen Thomas Geiger, Tatiana Lecomte und Sophie Thun haben neue Arbeiten entwickelt, die sich mit der bewegten Geschichte dieser Objekte auseinandersetzen – sowohl mit bereits restituierten als auch mit noch nicht zurückgegebenen Werken.
Historischer Kontext Viele der enteigneten Kunstwerke unterlagen dem sogenannten „Führervorbehalt“ und wurden im Rahmen des „Sonderauftrags Linz“ für das geplante „Führermuseum“ oder für andere Museen im Deutschen Reich akquiriert. Mit dem Entzug war stets die Verfolgung der Eigentümer*innen verbunden. Bis Mitte der 1950er Jahre wurden rund 80 Prozent der unrechtmäßig erhaltenen Werke des Salzburg Museum restituiert. Seit 2011 wird intensiv weitergeforscht, um verbliebene Objekte zu identifizieren und zurückzugeben.

Ausstellungsansicht
© Salzburg Museum/Laurin Christl
Tatiana Lecomte: Helene Taussig und ihr Haus Tatiana Lecomte (*1971, Bordeaux, lebt in Wien) setzt sich in ihren fotografischen Projekten mit Fragen der Repräsentation und der Rolle des Bildes in historischen Narrativen auseinander. In ihrer Arbeit Gott segne das Jahr 1942. Helene Taussig und ihr Haus überträgt sie mithilfe einer Schlagschnur eine Zeichnung des Atelierhauses von Helene Taussig in Anif auf die Wand des Kunstvereins – basierend auf einer Fotografie von 1935. Die Installation wirkt wie eine fragile Grafik, kaum sichtbar und doch eindringlich. Ihre technische Umsetzung verlangt Geduld und Präzision und lässt das Gebäude in einer fast geisterhaften Dimension erscheinen.
Ein Wandbild als Radar Besonders eindrucksvoll ist eine Wandgrafik, die Salzburg als Zentrum zeigt – von hier aus ziehen sich Linien wie Bewegungsradien in alle Richtungen, dorthin, wo die „arisierten“ Kunstwerke verteilt wurden. Die Zeichnung wirkt wie ein Radar, das die Wege der Objekte sichtbar macht und gleichzeitig die Unsichtbarkeit des Verlusts thematisiert.

Ausstellungsansicht
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Fragen, die bleiben Die Ausstellung beleuchtet, wie jüdischen Menschen während des Nationalsozialismus Eigentum wie Kunstwerke, Möbel, Häuser, Geschäfte und Bücher geraubt wurde – ein Vorgang, den man zynisch „Arisierung“ nannte. Auch das Salzburg Museum erhielt damals Werke, die ihm nicht zustanden. Doch die Beweisführung ist oft schwierig. Die Provenienzforschung in Salzburg arbeitet mit großer Sorgfalt daran, Licht ins Dunkel zu bringen.
Was gehört wem? Was ist gerecht? Wie erinnern wir richtig? Diese Fragen stehen im Zentrum der Ausstellung. Sie lädt zum Nachdenken ein – über Besitz, Verantwortung und Erinnerung. Ein Besuch lohnt sich.Hinweis: Das Salzburg Museum ist derzeit wegen Umbauarbeiten geschlossen und zeigt seine Sammlung im Rahmen von Gastspielen in verschiedenen Kultureinrichtungen der Stadt Salzburg.
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