CURTAIN WALLS & RAUTEN SYMPHONIE

Thomas Hörl

Künstler Thomas Hörl / Foto: © Christa Linossi

Ausstellung im Kunstraum pro arte Hallein

Künstler Thomas Hörl CURTAIN WALLS / Foto: © Christa Linossi

Ich verfolge Thomas Hörl schon eine lange Zeit. Aufgefallen ist er mir das erste Mal im VOLKSKUNDE MUSEUM | MONATSSCHLÖSSL HELLBRUNN Salzburg, wo er eine bühnenartige Installation des Bedeutungswandels des „Tresterertanzes“ inszenierte. Dann verfolgte ich ihn beim steirischen herbst in Graz „Dämonische Leinwände II – Arrival (2018) und im Vorjahr (2021) am Großglockner mit der Installation und dem Film „Serpentine a touch of heaven (and Hell)“.

Thomas Hörl frühere Arbeiten / Foto: © Christa Linossi

2022 findet nun eine neuerliche interessante Ausstellung im Kunstraum pro arte in Hallein statt. Hier präsentiert er einen seiner aktuellen Filmarbeit mit dem vielversprechenden Titel „F.W.M. Symphonie“. Worüber geht es hier? Es geht über das Verschwinden und die Wiederherstellung des gestohlenen Schädels von Friedrich Wilhelm Murnau – dies war einer der einflussreichsten und innovativsten Regisseure in der Frühphase des Films.

Thomas Hörl konzipierte den kunstraum pro arte als Einzelausstellung mit zahlreichen Versatzstücken seiner vielfältigen Arbeitsweise.

So werden aus der im „Caligaristil“ gebauten Filmkulisse im Wiener Prateratelier des Künstlers neue Bühnenbilder für den Galerieraum geschaffen, indem er das Set fotografisch abtastet und ins Zweidimensionale rückübersetzt. Die Kulisse wird als Wandarbeit mit vielen perspektivischen Verzerrungen zum Hintergrund für Modellierstudien von Murnaus Kopf für den Film verwendet. Die Tonmodelle wurden von dem Bildhauer*innen Fabian Fink, Michèle Pagel, Maruska Sagadin und Toni Schmale während der Dreharbeiten hergestellt, von Thomas Hörl abgegossen, in Papiermaché ausgeformt und bearbeitet.

Thomas Hörl „F.W.M. Symphonie“ Foto: © Christa Linossi

Vorlage für seinen Film war von Friedrich Wilhelm Murnau der deutsche Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922. Hörl greift immer wieder Themen aus der Vergangenheit auf, die er, versucht ins 21.Jahrhundert umzusetzen.

Thomas Hörl „F.W.M. Symphonie“ Foto: © Christa Linossi

Kurzer Hintergrund zu dieser Geschichte: Fakt ist, der Schädel des Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau wurde 2015 tatsächlich aus der Grabkammer der Familie in Berlin entwendet. Die Tat wurde seinerzeit auch von der Verwaltung des Friedhofs in Stahnsdorf bei Berlin bestätigt. In der Ruhestätte der Familie blieben die Särge der Brüder des berühmten Filmemachers, der mit „Nosferatu“ einen der bedeutendsten Klassiker des Stummkinos geschaffen hatte, unberührt. Es stellte sich immer wieder die Frage: Waren Satanisten am Werk? Oder hat die Tat einen okkulten Hintergrund? Es wurde sogar ein Kopfgeld von € 1.000 für denjenigen ausgelobt, der den entscheidenden Hinweis bei der Suche nach dem Kopf gibt. Okkulter Hintergrund? Im Stummfilmklassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922 erzählte der Regisseur die Geschichte des Vampirs Graf Orlok. Ermittler fanden in der Gruft Wachsreste, die die Täter hinterlassen haben könnten. Daher werde ein okkulter Hintergrund nicht ausgeschlossen, hieß es in einem Zeitungsbericht.

Thomas Hörl „F.W.M. Symphonie“ Foto: © Christa Linossi

In Thomas Hörls Video F.W.M. Symphonie“geht es um das Verschwinden von Friedrich Wilhelm Murnaus Kopf: Der 2015 gestohlene Schädel aus dem Grab des Filmregisseurs wird von Murnaus selbst geschaffenem Vampir in einem Kunstatelier in Wien wiederhergestellt und dem Friedhofswärter in Stahnsdorf bei Berlin gebracht.

Thomas Hörl „F.W.M. Symphonie“ Foto: © Christa Linossi

Für Hörl ist es ein spannendes Eintauchen in die Geschichte von Friedrich Wilhelm Murnaus gestohlenem Schädel. Genauso wie in F.W. Murnaus Filmen wird dabei die Spannung von gebauten Räumen und Naturaufnahmen dramaturgisch eingesetzt. Im expressionistisch anmutenden Erscheinungsbild des Films wird auf allerlei Zitate aus der Stummfilmära rückgegriffen und der Film schließlich mit gegenwärtigem Sound vertont.  Thomas Hörl hat diese Geschichte exzellent als Video umgesetzt.

Vampier Finger für den Film „F.W.M. Symphonie“ Foto: © Christa Linossi

Im Film selbst werden die Künstler*innen zu Performer*innen. Sie stellen sich selbst dar, wirken aber wegen ihres expressionistischen Erscheinungsbildes durch Maske und Kostüm künstlich und überhöht. Die Betrachter*innen entscheiden selbst, inwieweit ein Filmset ein Kunstwerk ist, ob es für sich alleinstehen kann oder nur gemeinsam mit dem Film, der auch in der Ausstellung läuft, lesbar ist.

In der Ausstellung werden die Werke dialogisch präsentiert und Zusammenhänge zwischen früheren Arbeiten und dem aktuellen künstlerischen Umgang Thomas Hörls mit dem Expressionismus im deutschen Stummfilm sichtbar gemacht.

Die Ausstellung und der Film sind sehenswert!

http://kunstraumproarte.com/